Juni 2008
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Mann zum Mitnehmen

Neulich bei Lifebucks, dem Kaffeehaus für Singles:

„Hallo, was kann ich für Sie tun?“, fragt die Frau hinterm Tresen.
„Hallo, ich bin Murmel-232, ich habe gehört, Sie haben das größte Angebot der Stadt.“
„Ja, dafür sind wir bekannt, was hätten Sie denn gern?“
„Naja, ich hätte gerne einen Mann.“
„Klar, dafür sind wir ja da, aber was für einen hätten Sie denn gern?“
„Ahm.“

„Ist nicht so einfach, ich weiß. Fangen wir mal damit an: Wofür wollen Sie ihn? Für interessante Gespräche, zum Angeben bei Freunden oder für die Befriedigung von sexuellen Bedürfnissen? Soll er gegen die Einsamkeit an Sonntag Nachmittagen sein oder gleich zum Heiraten? Suchen Sie einen Erzeuger für Ihr Wunschkind oder hauptsächlich eine starke Schulter zum Anlehnen?“

„Naja, das mit der Schulter wäre nicht schlecht, die interessanten Gespräche auf jeden Fall auch, Heiraten und Wunschkind muss nicht gleich sein, und das mit den sexuellen Bedürfnissen hat auch etwas Zeit. Einsamkeit, naja, ich bin schon eine ganze Weile Single…“ Ich zögere etwas verlegen. Die Frau lächelt verständnisvoll.

„Natürlich. Da sind Sie hier ganz richtig. Wie alt soll er denn sein, der Mann?“
„So Ende Zwanzig bis höchstens Vierzig wäre optimal.“
Sie tippt auf ihre Tastatur und starrt auf den Monitor vor sich. „In der Altersklasse haben wir ein besonders großes Angebot. Da ist bestimmt einer für Sie dabei. Wie soll er aussehen?“

„Weiß nicht so genau. Ich mag Bärte nicht so. Und er soll nicht gerade mehr Oberweite haben als ich. Und nicht unbedingt kleiner sein als ich.“
„Haarfarbe?“
„Ist egal.“
„Eher muskulös, schlank oder ein Teddybär-Typ?“
„Irgendetwas dazwischen.“

„Okay.“ Sie tippt auf die Tastatur, schaut dann wieder auf. „Bildungsgrad?“
„Nicht so wichtig. Ich möchte mich einfach gut mit ihm unterhalten können. Er sollte also von der Zeitung nicht nur den Sportteil lesen und sich für Vieles interessieren.“
Sie tippt es ein. „Nationalität?“
„Hauptsache er spricht eine Sprache, die ich verstehe und lebt nicht zu weit weg von hier.“

„Gut. Wie steht es mit Familienstand?“
„Er muss natürlich Single sein.“
„Tsss.“ Die Frau verzieht ein wenig das Gesicht. „Geht auch ‚unglücklich verheiratet’ oder ‚fast getrennt lebend’?“
„Eher nicht“, sage ich verunsichert.
Ihr Lächeln wird etwas schmaler, sie seufzt kaum hörbar. „Letzte Kategorie: Religionszugehörigkeit. Haben Sie da irgendwelche Vorlieben?“

„Es wäre mir schon recht, wenn er an Gott glauben würde“, sage ich vorsichtig.
„Verstehe ich“, meint sie zerknirscht, „Spielt es eine Rolle, an welchen Gott er glaubt?“
„Ja, durchaus.“
„Geht auch Taoist, Zeuge Jehovas, Kabbala- Anhänger oder ein Erleuchtetes Kind des Neumondes?“
„Ich hätte schon gerne einen evangelischen Christen.“

Sie blickt auf und ich sehe eine Mischung aus Verärgerung und Mitleid in ihren Augen. „Hören Sie, wir sind die Besten in der Stadt, aber wir sind auch keine Zauberkünstler. Was ich Ihnen empfehlen kann ist dieses Buch: ‚Wie man sein Leben mit zehn Katzen organisiert’ aus dem Langzeitsingle-Verlag. Mit einem Gutschein für eine Jumbo-Packung Katzenstreu zum halben Preis.“

Die Autorin: Murmel-232

Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin.


Weitere Texte und Gedichte finden Sie in der Rubrik Text und Gedicht auf www.ideesamkeit.de.


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