Wie heißt es nu richtig? Der “einzige gute Film” im Kino oder der “einzigste gute Film”?
Einziger als einzig geht eigentlich nicht. Wenn du in deinem Freundeskreis z. B. der Einzige bist, der Segeln kann, dann kann das keiner, außer dir.
Wenn du nun der EinzigSTe wärst, der segeln kann, dann bedeutet das, dass (noch) keinerer (??) als du (also noch weniger als keiner) außer dir segeln kann.
Keinerer als keiner geht aber nicht. (Vielleicht als negative Menge in Mathe ;-).)
Und einziger als einzig geht auch nicht. Das wäre dasselbe, wie wenn man sagen würde: noch einerer als ein Einzelner. Einser als Eins. …
Das Gleiche gilt übrigens auch für voll. Voller als voll geht nicht. (Jaa, beim Allo’ol vielleicht. Aber wenn ein Glas (ganz) voll ist, dann ist es voll.) Ausnahme: in Arbeitszeugnissen. Da gibt es auch “zur vollsten Zufriedenheit”. Grammatisch ist das ein einzigSTer Unsinn, aber nu jut …
2.7.2009 bei 15:54
Du magst ja RECHT haben.
Weißt du aber, daß alleine W. Shakespeare über 3600 NEUE Worte erfand?
Warum läßt du die Sprache nicht leben, sich entwickeln?
Warum so erbsenzählerisch?
27.9.2009 bei 19:26
Es ist ja kein neues Wort, nur eine Steigerung eines alten, das sich weder grammatisch noch logisch steigern läßt.
> Warum läßt du die Sprache nicht leben, sich entwickeln?
Zu ihrer Entwicklung gehörten aber schon immer die Kritik, die Sprachpuristen und die Sprachliebenden. Sie entwickelte sich aber noch nie selbst, sondern immer durch Beeinflussung ihrer Sprecher. Warum also gegen eine normale Sprachentwicklung sein und dem Verfasser die natürlichen und notwendigen Rechte absprechen?
Ideesamkeit
Moin.
Danke für eure beiden Anmerke. Das Tema böte reichlich Stoff für einen neuen, sprachfilosofischen Beitrag.
Im Grund gibt es zwei in sich logische Vorgehensweise:
a) Die gedanklich-logische. Nach der reinen Logick geht einziger als einzig nicht (von mattematisch mir nicht bekannten zahlenräumen einmal abgesehen. Daher bietet sich an, in das “Kaos” der Sprache ein bisschen Ordnung und Regeln zu bringen - was die Gramatticker aller Zeiten mal mit und mal ohne Erfolg versucht haben.
b) Innerhalb einer natürlichen Sprache wetteifern verschiedene logische Süsteme miteinander. ( gut - guter - am gutesten — gibt es ja nicht). Von daher wären Ausnahmen wie einzigster auch wieder in Ordnung.
c) Gramattick ist der Versuch, sprachliche Freiheit (und Kreatiwität) und sprachliche Ordnung unter einen Hut zu kriegen. Da sich a) und b) oft widersprechen, geht eine Ausgleichslösung mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung.
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Ein anschauliches Beispiel ist das Gebiet der Rechtschreibung. Kindern wird beigebracht, wir schrieben im Deutschen wie man spricht. Tatsächlich aber haben wir auch in der Rechtschreibung alle möglichen Süsteme (ü!!), die nicht zueinander passen:
L-iE-be, s-iE-ben - B-i-bel, iH-r; Kometen, Komik - aber Chaos, …
Hier wäre z. B. ein bisschen mehr logische Ordnung (a) der natürlich gewachsenen Sprache (b) nicht schlecht. Andererseits wundert sich natürlich das Auge und die Stirn kräuselt sich, wenn man Rechtschreibung und Aussprache - wie in diesem Anmerk geschenen - etwas mehr zusammenbringt.
3.9.2010 bei 16:50
eine Homepage, die sich diesem Problem annimmt:
einzigste.info
Ideesamkeit: Vielen Dank für den Tipp.
Anmerk: Korrekterweise sollte es heißen: eine Homepage, die sich dieses Problems annimmt. Rettet dem Genitief!! Denn “sich einer (Gen.) Sache annehmen” steht mit dem Wesfall (Genitiv).
4.9.2010 bei 11:43
Erwischt… offenbar ist der Dativ wirklich immer öfter dem Genitiv sein Tod, wenn man beim Schreiben nicht genau nachdenkt. Danke für den Hinweis :-)