Sachen gibt’s: Kuchen darf man kaufen, der Brötchen-Erwerb am Ostersonntag ist verboten – aber zusammen mit einem Stück Käse lassen sich die Brötchen zu Ostern dann doch wieder ergattern. Verstehe das, wer will.
Klar, dass angesichts dieser „himmelschreienden Ungerechtigkeit“, wie der ein oder andere Bäcker in einem Zeitungsbericht zitiert wurde, und angesichts der seltsamen Logik manch einer am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und anschließend zum Himmel emporstrecken will. Noch dazu, wenn für Tankstellen diese ganzen Vorschriften ungerechterweise nicht gelten.
Apropos Himmel: Ich glaub, so schlecht ist die Regelung mit dem Ostersonntag gar nicht. Singen „wir“ an einem anderen Fest (Erntedank) nicht: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land. Doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“?
Da ist der Himmel schon die richtige Adresse. Wer hat denn die Brotherstellung, oder besser: den Getreideanbau in der Hand? Landwirte, Bäcker und Verbraucher sind auf Gott angewiesen: Wenn Gott gutes Wetter schickt, klappt es mit den frischen Brötchen. Schickt Gott aber Dürre, Unwetter oder sintflutartige Regenfälle, ist die Ernte verhagelt.
Wenn etwas „himmelschreiend“ ist, dann das, dass überhaupt sonntags verkauft wird. Denn das hat der oberste Chef im Himmel eindeutig untersagt. Und da wir – jede und jeder – von diesem himmlischen Brötchengeber abhängig sind, sollten wir die Anweisungen von ganz oben beachten. Wenn wir unnötigerweise Gottes Wohlwollen aufs Spiel setzen, könnte er die Umsatzeinbußen durch Klimaschäden & Co. gegenüber den im Bericht genannten 20 Prozent um ein Vielfaches steigern. (Beispiele dafür finden sich in der Bibel genug.)
Die neue Osterregelung ist daher an dieser Stelle ein Schritt in die richtige Richtung. Die Logik mit Kuchen und Brötchen und die Ungleichbehandlung zwischen Bäckern und Tankstellen mit frischen Backwaren sollte natürlich noch einmal überdacht werden. Am besten wäre eine Regelung in Richtung völlig verkaufsfreier Sonntage, im ganzen Jahr. Dann würden weder Brötchen noch Torte über die Ladentheke wandern – aus Respekt vor Gott.
Ideesamkeit
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Die Landesregierung NRW hat 2006 durch ein Gesetz den Verkauf frischer Brötchen in Bäckereien am Ostersonntag untersagt. Für Tankstellen jedoch ist der Verkauf als ‘Proviant’ gestattet. An den übrigen Sonntagen im Jahr wiederum dürfen frische Brötchen verkauft werden. - Der obige Beitrag bezieht sich auf einen Artikel der Neuen Westfälischen vom 09.04.2009. Über die Einzelheiten des Gesetzes möge sich der interessierte Leser u. a. dort informieren.
Schlagworte: verkaufsoffener Sonntag, Ladenöffnungszeiten, Zehn Gebote
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8.3.2010 bei 08:33
Ihr Kommentar ist aus ideologischer Sicht gut gemeint,berücksichtigt aber nicht,dass die meisten Familien nur noch am Sonntag Zeit für ein gemeinsames Frühstück haben,
bzw. mal beim Bäcker frische Backwaren zu holen.
Vielleicht übermitteln Sie Ihren Vorschlag auch mal dem Papst
in Rom,denn dort wäre es undenkbar,wenn es am Ostersonntag kein frisches Brot zu kaufen gäbe.Gleiches gilt für das
sehr christliche Spanien,wo es an jedem Tag im Jahr frische
Backwaren zu kaufen gibt.
Wir hatten der Landesregierung einen vernünftigen Kompromiss
vorgeschlagen,der auch die familiären Interessen der Mitarbeiter berücksichtigen würde:
An den beiden Weihnachtsfeiertagen,sowie am Karfreitag
bleiben die Geschäfte komplett geschlossen und an den
anderen Feiertagen entscheiden die Unternehmen selbst ,ob sie überhaupt öffnen und wann sie öffnen.
Gerne würde ich das Thema nicht aus wirtschaftlicher, sondern
aus christlicher Sicht mit Ihnen weiterdiskutieren.
8.3.2010 bei 09:47
Hallo Michael Martin,
danke für Ihren Kommentar.
Klar, das Thema können wir gerne aus christlicher Sicht weiterdiskutieren.
Zuerst eine Rückfrage: Die Unternehmen entscheiden selbst … meinen Sie damit speziell die Bäcker u.ä., oder alle Firmen, auch die Produktion usw.?
Ich finde, gerade auch christlicher Sicht sollte ein Tag in der Woche vollkommen frei sein. Das ist ja sogar von Gott in den Zehn Geboten so verankert worden. Wir lehren die Zehn Gebote als ein wichtiges Stück im christlichen Glauben - sagen dann aber anschließend: Och, ist ja nicht so wichtig (wenn wir die Geschäfte am Sonntag öffnen).
Am logischsten fände ich dabei den Samstag als Ruhetag (ist ja das Sabbat-Gebot) - aber meinetwegen auch der Sonntag. (Ich gehe jetzt einfach mal vom Sonntag aus.)
Im Alten Testament ist des Öfteren von der Bedeutung des Sabbats die Rede. Sogar in der Erntezeit (wenn also wirklich alle Kräfte und Zeit benötigt werden, und kein Aufschub der Arbeiten drin ist), soll der siebte Tag frei bleiben. Das ist ja schon ein Ding - aber gerade auch christlicher Sicht zu beachten.
Kirche:
Erstaunlicherweise oder auch logischerweise sind in der Bibel Priester (Pfarrer, Pastöre usw.) vom Sabbatgebot teilweise ausgenommen, d.h. sie dürfen die Predigt und den Gottesdienst halten.
Papst: Ich vermute mal, dass der Papst nicht unbedingt auf meine Vorschläge hören würde. ;-) Wenn Sie ihm mailen möchten … ;-)
Bäcker und Brötchen: Generell wäre ich da zumindest an den Sonntagen genügsam: Vor einigen Jahren oder Jahrzehnten hat man öfters mal Brötchen aufgebacken. Gut, vielleicht nix für Feinschmecker. Aber warum nicht einfach am Samstag Brötchen kaufen und am Sonntag aufbacken. Den Rest der Woche können die Brötchen ja jeden Tag frisch sein. (Das wär jetzt meine persönlich Idee für die Brötchen am Sonntag.)
Zudem denke ich: Wenn erst einmal die Bäcker usw. an den Sonntagen öffnen, dann kommen ganz schnell weitere Geschäfte dazu. Und da kommen wir - jetzt wieder aus christlicher Sicht - dann ins Gehege mit den Zehn Geboten (6 Tage arbeiten, 1 Tag frei).
Soweit erst mal, soweit ich das sehe, aus christlicher Sicht.
Wie ist Ihre Meinung dazu?
28.3.2010 bei 08:14
Vor 20 Jahren hätte ich Ihrer Ansicht uneingeschränkt zugestimmt,d.h. am Sonntag ist Ruhetag und die Geschäfte
bleiben geschlossen.Leider haben sich die Zeiten insofern
geändert,dass heute der Sonntag in unserer Branche der
verkaufsstärkste Tag geworden ist.Der Umsatz an einem normalen
Sonntag entspricht mittlerweile dem von 2 Wochentagen zusammen.Als Arbeitgeber und als Unternehmer wäre es fahrlässig,diese Umsätze Seiteneinsteigern wie Tankstellen,Kiosken
oder zunehmend auch Landwirten zu überlassen.
Wenn der Verkauf für alle gänzlich an Sonntagen untersagt würde,wären die Discounter und Konzerne die Gewinner und der Mittelstand
würde noch mehr geschwächt.
Natürlich ist diese Entwicklung traurig und ich sehe auch
die Gefahr, dass unsere christliche Feiertagskultur
durch die Flut der verkaufsoffenen Sonntage den Bach
runtergeht.
Andererseits lässt sich diese Entwicklung wohl nicht mehr
aufhalten und ich muss auch kritisch anmerken,dass die
Kirchen dem Ladenöffnungsgesetz zugestimmt haben und davon
auch finanziell profitieren.
Ich halte es nach jetzigem Stand der Dinge für das Beste,
wenn die Unternehmen mehr Verantwortung zeigen und den
familiären Interessen der Mitarbeiter absolute Priorität
Studenten/innen oder Alleinstehende eingesetzt.
Für die hohen kirchlichen Feiertage gilt für uns:
-wir wollen ein kleines,aber nicht unbedeutendes Zeichen
setzen und die jetzige Regelung trotz Ungerechtigkeit und
Wettbewerbsnachteil akzeptieren.
mit freundlichen Grüssen
Michael Martin
Obermeister der Bäcker-Innung Recklinghausen
www.Bäckerinnung-Recklinghausen.de