Diebstahl erlaubt, wenn man Hunger hat?


Ist Klauen in Ordnung, wenn man Hunger hat? Oder stehlen, wenn es einem am Nötigsten mangelt? Wie sieht die Sache aus, wenn irgendein anderer Mensch Haus und Auto und Firma und schicke Kleider besitzt – während viele andere kaum die Butter fürs Brot haben?
Ungerechtigkeit und Not ließen sich ganz einfach beseitigen: „Wegnehmen. Dem da! Der so viel hat.“ Damit wären doch alle Probleme gelöst, oder?Aufgetaucht ist diese Frage in einem Forum*: Hungernde dürften, so die Tese, nach Ansicht einiger Teologen stehlen. Wobei der Verfasser dieses Artikels keine Ahnung hat, welche Teologen das gesagt haben könnten. Aber es geht ja um die grundsätzlich Frage: Ist klauen in Ordnung, wenn man Hunger hat?  Klar ist natürlich, dass sich die Frage erst dann so richtig stellt, wenn einem Essen tatsächlich fehlt oder knapp wird. Solange wir, du und ich, vorm PC sitzen und nicht vor Hunger vom Stuhl kippen, haben wir leicht reden. Wer nicht weiß, wo das Essen herkommen soll – für den ist die Frage nicht so leicht zu beantworten … 
Trotzdem möchte ich ein paar Rückfragen stellen – ohne die gesamte Bandbreite des Temas komplett zu beantworten: Wenn jemand aus Not ein Brötchen stiehlt … - Weißt du, ob der Ladenbesitzer mit seinem Geschäft ein Plus oder Minus macht? - Angenommen, er macht ein bescheidenes Plus: Wie viele Kinder muss er davon ernähren, und für wie viele Großeltern muss der die Altenpflege bezahlen? - Wenn du dem Ladenbesitzer das Brötchen wegnimmst, schadest du damit vielleicht einer alten Oma. 

Auch die generelle Gerechtigkeitsfrage haut einem einige Fragezeichen raus:
Ist es gerecht, wenn ein Mensch Haus und Auto und Firma und schicke Kleidung und … aufhäuft – während manche Menschen in unserem Land kaum die Butter fürs Brot haben? Manch einer, der lautstark „Gerechtigkeit“ fordert – fängt an, Autos, Schaufenster oder Firmen mit Gewalt einzuschlagen. Oder die Besitzer zu „entreichern“, zu enteignen. Ist das gerecht?  Wer Gerechtigkeit in dieser Art einfordert – sollte vielleicht kucken, ob er nicht zuvor das eigene Auto, den eigenen Internetanschluss, das eigene Brot mit anderen teilt. Und was ist bei etwaigen Krawallen? Anwohner haben Angst. Menschen werden verletzt, landen im Krankenhaus und haben vielleicht sogar unwiederganzbare körperliche Schäden? – Sind die Krawallmacher für „Gerechtigkeit“ auf die Straße gegangen? 
Unrecht durch Unrecht zu bekämpfen – ergibt Unrecht hoch drei. Gerechtigkeit zu fordern und das Gegenteil zu tun oder teilnahmslos zuzusehen, ist ein naheliegender, manchmal fataler Fehler. Und der macht vor keinem automatisch Halt: Ob fromm oder nicht fromm. Theologen oder bekennende Atheisten. Linke oder Rechte. Oder die politische Mitte. Gutes wollen und Böses zu erreichen – damit hatte sogar schon Paulus zu kämpfen: – Denn ich tue nicht, was ich will; sondern, was ich hasse, das tue ich.[...] Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. [...] Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. –
Aus Römer 7, 15-19 mit geringen Wortangleichungen.(1) 
Klar, es geht eigentlich ums Brot, wenn Menschen in Not sind. Aber die Frage, ob sich Gerechtigkeit dadurch erzielen lässt, wenn man andern Geld und gut und Besitz und die körperliche Gesundheit mit Gewalt wegnimmt, hängt eng damit zusammen. Daher dieser kleine Ausflug.  Eine Forenteilnehmerin schlug zu der Brotklaufrage sinngemäß folgende Lösung vor:Die Leute, die sagen, man dürfte im Notfall Brot stehlen – die sollen doch einfach selbst Menschen in Not helfen. Am besten: Regelmäßig. – Eine gute Idee. Allerdings … Wenn du darauf wartest, dass *die* Theologen, *die* Politiker, *die* Firmeninhaber usw. helfen – dann können die Menschen, die in Not sind, manchmal lang warten. Achtung!!!: Es gibt viele Teologen, Politiker, Firmeninhaber und andere, die Menschen, die in Not sind, tatsächlich helfen (Kürzlich kam z.B. eine Fernsehsendung mit Dafür und Dagegen über die Hilfsaktionen von einem bekannten Schuhgroßhändler in Deutschland: Deichmann) – Deren Einsatz soll nicht unterschlagen werden. Aber es gibt auch viele, die nicht helfen.   Daher folgende Ergänzung: Eine gute Abhilfe wäre zuerst einmal, wenn – ich glaub, das ist das Schwierigste an der Frage, – DU selbst (oder Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser) überlegst, ob oder wo Du einem Menschen in Not helfen könntest. Das muss nicht viel sein. Wenn du z. B. ein Schüler bist, hast du wahrscheinlich kein Vermögen). Wenn du z. B. ne Oma im Altenheim hast oder kennst, die von Sozialhilfe lebt (da könnten (ohne Garantie) um die 30! Euro im Monat für private Zwecke überbleiben, abzüglich Zahnpasta!!) … da können 5 € schon ne ganze Menge sein. Abgesehen davon, dass sich die meisten Menschen, die einsam oder in Not sind, schon über solche eine kleine Geste und Aufmerksamkeit riesig freuen. Natürlich gibts auch ne ganze Menge Dinge zu beachten: Besteht die Gefahr (bei jüngeren Leuten und im mittleren Alter), dass die 5 € für Alk oder Zigaretten draufgehen? Dann würde ich mir überlegen, ob sich nicht eher ein echtes Brot oder dergleichen zum Weitergeben eignet. – Will sagen: Auch nicht blind helfen wollen. Und außerdem nicht immer Hilfe aufdrängen, wenn der andere partu keine Hilfe will. Schließlich will man auch manchmal helfen, kennt aber die genaue Lage nicht, verschlimmbessert die Situation des anderen nur. Es gibt also ne Menge zu bedenken. Trotzdem: Nur Denken, hilft auch nicht. Nur auf andere warten – vergiss es.Hilf DU selber – auch wenn du nur minimal was tun kannst.  Jetzt könnten natürlich einige Leute aus Politik, Wirtschaft, Theologie, Kirche oder Gemeinde, Firmeninhaber, Stars oder Sternchen sagen: Super! Lass die Freiwilligen mal machen. Wir sanieren unseren Haushalt – es werden sich dann schon ein paar Dumm… – Freiwillige, wollte ich sagen ;-) – finden, die die sozialen Notlagen und sozialen Arbeiten dann ehrenamtlich schultern. (3) Adel verpflichtet! Wer ein gutes Einkommen hat, ist nicht dazu verpflichtet, sein Gehalt nur für das eigene Vorankommen auszugeben oder die Gewinne stets zusammenzuhalten. Wer einem Menschen in Not helfen kann und nicht hilft – der klaut auch.  „Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.“(Die Bibel, Jakobus 4, 17)  Nun zu der eigentlichen Brotklaufrage: 

Im Buch der Sprüche, Kapitel 30, Vers 8-9 findet sich folgender Text, den ich hier sinngemäß wiedergebe:

– Falschheit und Lüge lass fern von mir sein. Armut und Reichtum gib mir nicht. Lass mich aber meine bescheidene Speise nehmen, die du mir gegeben hast. Ich könnte sonst – wenn ich zu satt würde – ablästern und sagen: Wer ist schon Gott, der HERR? Oder wenn ich zu arm würde, könnte ich stehlen und mich damit an dem Namen meines Gottes vergreifen … –

 Der letzte Satz ist die Antwort auf die Ausgangsfrage: Darf man klauen, wenn man Hunger hat? Der Schreiber äußert viel Verständnis dafür, dass jemand in Not Essen stiehlt. Genauer gesagt: Er rechnet damit, dass er es selbst so tun würde. Allerdings sagt er auch: Ich würde mich damit an Gott selbst vergreifen. Auf Deutsch: Diebstahl scheint Diebstahl zu bleiben – auch wenn man in Not ist.  Darüber hinaus: Unrecht durch Unrecht zu beseitigen ist Unrecht – auch wenn Haus-, Firmen- oder Autobesitzer mehr haben, als man selbst. Krawalle beispielsweise haben mit Gerechtigkeit nichts zu tun. Und nu? Was tun? Vielleicht hilft dieser Gedanke weiter:Jeder Mensch – egal ob in Not oder in Saus und Braus, ob mit Geld oder mit Schulden, ob ganz oben oder ganz unten oder einer der vielen, die dieses Frage gar nicht betriff – jeder muss sich persönlich vor Gott verantworten. Wer klaut – obwohl Gott gesagt hat: „Du sollst nicht stehlen.“ – der wird Gott erklären müssen, warum er Gottes Anweisung missachtet hat. Wer aber Geld oder Material oder Zeit oder Kraft hat – und einem Menschen in Not nicht selber hilft, der wird Gott erklären müssen, warum er den armen Menschen zum Klauen gebracht hat. Der Vollständigkeit halber: Spätestens an dieser Stelle werden wohl alle – Du, Sie, der Verfasser dieses Artikels und auch alle anderen Menschen früher oder später in Erklärungsschwierigkeiten gegenüber Gott kommen. Wenn man den Satz und die Aussagen aus der Bibel beim Wort nimmt. Niemand ist wirklich vor Gott irgendeine eigene Art von Gerechtigkeit aufweisen. Da fällt jede und jeder durch. Wer darüber nachdenkt, für den sei erwähnt: Glücklicherweise gibt es auch eine Gerechtigkeit, die bei Gott zählt. Wie man an diese Gerechtigkeit kommt, wäre aber wieder ein anderer Artikel (oder seine Internet-Suche im Römerbrief 10,3-4) Kurz und gut: Klauen bleibt Klauen, auch wenn man in Not ist.Und: Wer in der Lage ist, zu helfen, und nicht hilft – der macht, das ein Mensch in Not klaut.    [Werbung]


P.S.: Leider schmeißt der Blogg mal wieder alle Formatierungen durcheinander.

Quellen: (1) www.bibel-online.net/buch/45.roemer/7.html#7,19. Weitere Bibelstellen ebenfalls nach bibel-online.net. In neuere Übersetzung: www.dbg.de (2) Forum: gutefrage.net(3) so ähnlich, soweit ich mich entsinne, in: Wieczorek,Thomas: Die verblödete Republik, München 2009(4) Sprüche: Hier die neuere Übersetzung;  http://www.die-bibel.de/?id=391&tx_dbgbibelmodul_pi1[scripture]=sprueche%2030|LU&tx_dbgbibelmodul_pi1[btDisplayMode]=single&no_cache=1#iv   

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