Infos

Sie befinden sich aktuell in den Ideesamkeit Blog-Archiven für den folgenden Tag 8.1.2010.

Januar 2010
S M D M D F S
« Dez   Feb »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Archive für 8.1.2010

Aus dem Stegreif - aus dem Stehgreif

Aus dem Stegreif - wo kommt diese Redewendung eigentlich her? Und wie wird sie richtigerweise geschrieben: Stegreif oder Stehgreif?

Im Bloggbeitrag über Eintagswörter hatte ich die Von-jetzt-auf-Gleich-Wörter auch als Stehgreifwörter betitelt - mit h.

Dazu erreichte ideesamkeit.de folgender Kommentar von Jasper, der Ihnen und euch nicht vorenthalten werden soll. Hätten Sie gewusst, wer oder was ein Stegreif ist?

Hier die Erläuterung zur Wortherkunft, von Jasper:

Eine schöne Idee, Fremdwörter so zu schreiben, wie man sie eingedeutscht eigentlich schreiben müsste. Ich plädiere z.B. schon länger dafür, dass man Händy endlich mit ä schreibt …

Ganz davon abgesehen, habe ich aber noch eine weitere Anmerkung, die vielleicht in sprachgeschichtlicher Hinsicht ganz interessant sein dürfte:

In der Redewendung „aus dem Stegreif“ meint man, dass man spontan etwas tut, ohne groß darüber nachzudenken. Allerdings kommt dieses Wort nicht, wie man denken könnte von der zugegebenermaßen recht anschaulichen Situation, dass jemand im Stehen etwas aus der Luft greift. Vielmehr kommt es von dem Steg-Reif (daher auch ohne h geschrieben), damit ist sozusagen das Trittbrett beim Pferd, der Steigbügel gemeint. Wenn man also früher auf dem Pferd geritten hat/ist, und dabei noch im Vorbeireiten einen Gegner niedergestreckt hat, so hat man dies aus dem Stegreif (heraus) getan.

Viel Spaß noch weiterhin mit diesem Blog!

Herzlichen Dank für den Hinweis. Auf wikipedia.de findet sich noch eine tolle Umschreibung für “etwas aus dem Steg-Reif machen”: Es bedeutet ursprünglich “ohne vom Pferd zu steigen“. Das ist an sich schon wieder eine unterhaltsame Redewendung, die hiermit allen Schreibenden und RednerInnen zur Verwendung empfohlen sei - statt “improvisieren”. Ste(h)greifen geht natürlich auch.

Der Steg-Reif ist, ebenfalls laut wiki, ursprünglich die Seilschlinge, die man zum Aufsteigen auf Ross und Gaul benutzte. Und wo wir grad bei Pferd und Reitkunst sind: Sogar unser Wort Pferd ist ein “Fremdwort”, richtiger ein Lehnwort. Ursprünglich sprach man das Tier “Pferd” paraveredus aus - mindestens die Vorsilbe ist griechisch - was soviel wie “Nebenpferd” bedeutet.* Da ein Paraveredus aber sowohl für die Reitkunst als auch fürs Ste(h)greifen recht lang und umständlich ist, hat der Volksmund das Tier irgendwann zu P-f-er-d zusammengekürzt. Ist praktischer.

Zurück zum Steigbügel bzw. zu seiner früheren Form, dem Steg-Reif:

Wortherkunftsmäßig korrekt ist es also, etwas aus dem Stegreif zu machen, ebenso die Stegreifaufgabe und dergleichen - alles ohne h.

Die Fassung mit h - Stehgreif - nennt sich Volksetymologie. Ein großer Teil der Menschen weiß nichtmal mehr, dass es mal einen Steg-Reif gab, geschweige denn, dass man ihn in Stegreif ohne h schreibt. Also erklärt sich das “Volk” die Wortherkunft so: etwas aus dem Stand heraus greifen - Stehgreif.

Und nun kommt es auf den jeweiligen Leser an: Wer die ursprüngliche Form samt Wortgeschichte kennt, dem graust es bei einer Wortumdeutung wie in Stehgreif. Aus diesem Grund sei z. B. darauf hingewiesen, dass es richtig heißt “aufs Geratewohl”, wenn man etwas auf gut Glück versucht: Es möge wohl (Adverb zu gut) geraten. Mit gerade hat das nix zu tun.

In der Wendung “etwas aus dem Stehgreif machen” und bei den Stehgreifwörtern findet Ideesamkeit die neuere, wenn auch sprachgeschichtlich an dieser Stelle nicht korrekte Umdeutung ganz anschaulich: aus dem Stand heraus ein Wort greifen.
Deshalb sei allen Leserinnen und Lesern die Form mit h ans Herz gelegt: Stehgreif ;-) - zumal man das Wort inzwischen auch “Ste(h)-Greif” spricht. Die eigentlich korrekte Schreibweise - Stegreif - ist dank der Erläuterung von Jasper aber ebenfalls unterhaltsam und spannend.

Kurz und gut: In der Schule und überall, wo der Duden regiert: Stegreif ohne h. Überall sonst möge jeder aus dem Stehgreif heraus handeln oder Stegreifaufgaben lösen - mit oder ohne h - Hauptsache, Sie fallen im Vorbeireiten nicht vom Pferd. ;-)

Ach ja, wer ne Eselsbrücke (Pferdebrücke?) braucht:

Pferd schreibt man ohne h. Und den Stegreif, da er am Pferd hängt, auch.  (Ideesamkeit, nach der Erläuterung von Japser)

[Werbung]


Weitere Ste(h)greifwörter finden Sie auf www.ideesamkeit.de.* Quellen:Pferd - paraveredus: So u. a. wikipedia.de: pareques acuminatus (Eins 2010)

|